Anpfiff


Der ehemalige 1. SC Göttingen 05, später Rasensportverein Göttingen 05, heute I. SC Göttingen 05 sieht auf eine bewegte, mittlerweile über 100 jährige Geschichte zurück. Einst Mannschaft in der 2. Bundesliga, spielt er nach dem vollständigen Zusammenbruch durch Insolvenz und anschließender Fusion mit dem damaligen RSV Geismar 09 inzwischen wieder in der Oberliga. Um in Zukunft wieder in den höheren Ligen Fuß fassen zu können, wurde zur Beginn der neuen Saison 2013/14 nun die 1. Herrenmannschaft ausgegliedert und in I. SC Göttingen 05 rück- bzw. umbenannt. Dies dient vor allem der finanziellen Absicherung des Vereins, um einer Wiederholung der Geschichte vorzubeugen. Alle gravierenden Schwierigkeiten des Klubs und der mühsame Neubeginn in den untersten Ligen wurden von einer schier unerschütterlichen Gruppe Menschen begleitet: den Fans von Göttingen 05. Der aktive Kern der Fanszene des momentan erfolgreichsten Klubs der Stadt besteht aus ungefähr 50-70 Personen. Zu den sonntäglichen Spielen kommen im Durchschnitt 600 Zuschauer, was für die 5. Liga durchaus ungewöhnlich ist.

Als ich das erste Mal das Jahnstadion am Göttinger Sandweg besuchte, hatte ich vorher nie viel mit Fußball zu tun gehabt. Meine Stadionbesuche ließen sich an einer Hand abzählen. Ein Bekannter hatte mich an diesem Tag überredet ihn zu einem Heimspiel zu begleiten. Die Begeisterung die mich dort ergriff (zugegebenermaßen mehr für die Fanszene denn für das Spiel), führte zu dem Entschluss die Göttinger Fanszene zum Inhalt meiner Abschlussarbeit zu machen. Durch meine Teilnahme an Heim- und Auswärtsspielen, Stammtischen, Sommer- und Weihnachtsfeiern und meine Beteiligung am Aufbau des Fanraums über einen Zeitraum von über einem Jahr wurde ich nach und nach Teil der Gruppe.

„NULLFÜNFer“ lässt die Fans eines niedrigklassig spielenden Vereins ihre ganz persönliche Geschichte einer ungewöhnlichen Fanszene erzählen. Eine Geschichte, die die Leidenschaft für einen Oberligisten erklärt. Eine Geschichte, die von Hochs und Tiefs geprägt ist. Eine Geschichte über Fans, die es Anfang der 1990er Jahre geschafft haben die damals aktiven Rechtsradikalen aus ihrem Stadion zu verdrängen, was bis heute identitätsstiftend ist und einen wichtigen Bestandteil ihres Selbstverständnisses ausmacht. Eine Geschichte über eine Gruppe Menschen, die die Streichung ihres Vereins aus dem Vereinsregister mit der Gründung der Initiative „Fans ohne Verein“ beantwortet, damit über fast zwei Jahre der Vereinslosigkeit das endgültige Auseinanderbrechen der Fanszene verhindert und zudem Weltruhm erlangt. Eine Geschichte über eine Fanszene, die ihre neue Heimat, einen dörflich anmutenden Sportplatz im Göttinger Süden, verliert, und daraufhin das Risiko der Einrichtung eines Fanraums eingeht und damit erfolgreich ist. Eine Geschichte über Anhänger eines niedrigklassigen Vereins, die sich durch ihr Engagement immer wieder einmischen und die Dinge selbst in die Hand nehmen, wie es sich in ihrer aktuellen Initiative „Glotze aus, Stadion an!“ wiederspiegelt. Eine Geschichte, die von Leidenschaft, politischer Entschlossenheit, Durchhaltevermögen, Menschlichkeit, Engagement und Zusammenhalt zeugt.

Erzählt wird diese Geschichte ebenso von Fans der ersten Stunde, wie dem Fußballbuchautor Hardy Grüne wie auch von Neuankömmlingen, wie der Ultràgruppierung Rasensportguerilla. Sie wird berichtet von öffentlich Agierenden, wie Dirk Mederer, dem Begründer der Initiative „Glotze aus, Stadion an!“ und Persönlichkeiten, die im Verborgenen ihren Teil zum Erhalt der Gemeinschaft beitragen. Die elf Interviews wurden bewusst im alltäglichen Lebens- oder Arbeitsumfeld der aktiven Personen geführt. Damit will der Film die Unterschiedlichkeit der „NULLFÜNFer“ betonen und einen Blick auf den gesamten Menschen, der hinter dem Fan steht, gewähren.

 

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